NICHTS/ALLES – ALLES/NICHTS @malstoff Berlin


Zum rechten Fenster von Norbert Herrmann:

Drei Linien, die als Dreieck mit den Winkeln 120 Grad, 30 Grad, 30 Grad aufeinander treffen. Die Linien jeweis parallel über das gesamte Din A 1 Blatt vervielfacht, mit zunehmenden und wieder abnehmenden und wieder zunehmenden Abständen. Die durch die Linien abgegrenzten Flächen abwechselnd mit Tinte – ohne Tinte – gefüllt, und mit einem Riss versehen, hinter dem die abwechselnde Tintenauftragung invertiert ist.
Dazu noch drei 30*30 cm Studien mit den Winkeln 60/60/60, 90/45/45 und 90/60/30.
Dazu die Fensterflagge ALLES, geschrieben aus dem Wort “NICHTS” und NICHTS, geschrieben aus dem Wort “ALLES”.

 

Zum linken Fenster von Florian Simon:

Gerade diesen Frühsommer zeigt die Retrospektive zu Yayoi Kusama im Grophiusbau weiß auf schwarz den Hang, vielleicht sogar die Gier des Homo Sapiens zur Unendlichkeit. Kusama schlachtet diese Unendlichkeit modisch dekorativ, aber immer auch bunt inspirierend aus.

Mit seiner aktuellen Arbeit legt Florian Simon hingegen das Zentrum der Unendlichkeit filigran frei, platziert den ästhetischen Beweis für die Existenz eines Ursprungs mitten in das pralle, im zweiten Corona-Sommer gerade wieder euphorisch schießende Leben an der Berliner Warschauer Straße.
“Journey to the center of eternity” sang schon Ozzy Osbourne vor Dekaden – oder Äonen?
Florian Simon holt uns ab vom ewigen Grophiusbau und geleitet uns behutsam zum Malstoff in Friedrichshain. Wir fliegen mit ihm auf dem Nazgul, dem mächtigen Untoten, die Spree hinauf und treffen dort tatsächlich auf den Mittelpunkt von Schwarz und Weiß, von Alles und Nichts. Es gibt ihn, wir können ihn sehen, den Ursprung des monochromen ubiquitären Regenbogens, von dem Paralellen und Bifurkationen Reißaus nehmen und an die Oberflächen flattern.
Dies ist der Ausgangspunkt, von dem aus die Welt und die Ästhetik sich fortbewegt – oder in diesem Falle vielleicht eben nicht fort- sondern sich besinnend und die Buntheit entlarvend zurückbiegt.


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